Schicksalbruch – Leseprobe Teil 2

Hi Ihr Lieben, heute gibt’s wieder einen kleinen
Vorgeschmack auf den zweiten Teil.

Nach wenigen Metern wird der Wald bereits lichter und in der Ferne kann ich ein kaum bewachsenes Fleckchen erkennen. Das wäre die geeignete Stelle für Whick, um uns aufzusammeln. Thory scheint das Gleiche zu denken und beschleunigt seinen Schritt.
„Wir können ihn nicht landen lassen, wenn wir verfolgt werden. Dann kriegen sie uns alle“, wende ich ein, bekomme jedoch außer einem grimmigen Schnaufen keine Antwort. Abrupt bleibt Thory stehen und zieht mich hinter einen breiten Baum. Während er mich an den Schultern gegen die raue Rinde drückt und mich allein mit seinem Blick zur Konzentration auffordert, sagt er: „Sutonatt Serfatar!“
„Was?“
Sutonatt Serfatar! Mit dieser magischen Formel kannst du Dinge heraufbeschwören, die du dir vor deinem geistigen Auge vorstellst.“
„Woher willst du das wissen?“
Thory weicht meinem Blick aus, ehe er zugibt: „Diese Worte hat deine Mutter früher oft benutzt, wenn ich dir als Kind dein Eis geklaut habe.“
„So was hast du getan?“
Er sieht mich verständnislos an und würde mich vermutlich am liebsten schütteln. Gut, ich gebe zu, dass die Information, die ich aus seinen Worten herausgepickt habe, wirklich nicht die Wichtigste ist.
Lautes Plätschern ertönt hinter uns, als die ersten Verfolger durch das Wasser waten.
Thory dreht an den Ringen seiner Stêsch und sie nimmt in ihrem üblichen grünen Licht die Form eines Speers an. Er verlässt unsere Deckung und wirft seine Waffe in Richtung des Flusses. Während des Fluges schlägt in den Speer ein Blitz ein. Erst befürchte ich, er könnte dadurch zerstört werden, doch stattdessen scheint er den Blitz regelrecht in sich aufzusaugen. Als der Speer unversehrt im Wasser zwischen unseren Verfolgern landet, entlädt sich die Energie des Blitzes und verteilt sich über das Wasser. Alle, die sich darin befinden, werden von einem heftigen Stromschlag erwischt und sacken ohnmächtig in sich zusammen. Die übrigen, die sich noch am Ufer befinden, werden von einem großen, dunkelhaarigen Mann zurückgehalten. Selbst in dem dämmrigen Licht der Nacht kann ich an seinem Gürtel unzählige Dolche und ein Schwert glänzen sehen. Doch noch viel mehr als diese beängstigende Anzahl an Waffen schockiert mich die Kaltblütigkeit unserer Verfolger. Keiner von ihnen kümmert sich auch nur im Entferntesten um die Verletzten. Sie lassen sie einfach mit dem Strom davontreiben. Der Mann mit dem eisigen Blick hebt seinen Bogen und schießt einen Pfeil in unsere Richtung ab.
Thory weicht aus, wird jedoch an der Wange gestriffen. „Lara, jetzt! Meine Stêsch.“ Ich verstehe sofort und wage mich ebenfalls aus der Deckung, spreche die magische Formel aus, die mir Thory verraten hat, und augenblicklich materialisiert sich sein Stab in meiner Hand. Er fühlt sich von dem Blitzschlag noch immer warm an. Ich werfe Thory die Waffe zu und bevor wir weiterrennen, lasse ich unseren restlichen Verfolgern einen mächtigen Windstoß entgegen sausen, der sie regelrecht von den Beinen reißt.
Dieser Kerl, der Ihr Anführer zu sein scheint, bleibt jedoch hartnäckig und nimmt die Verfolgung sofort wieder auf. Aber ein einzelner Jäger ist immerhin besser als ein Dutzend.
Als wir endlich das Ende des Waldes erreichen, beginnt sich meine Anspannung  langsam zu lösen und ich atme erleichtert aus. Nur um im nächsten Moment bereits wieder panisch nach Luft zu schnappen. Vor uns erstreckt sich ein unüberwindbarer Abgrund, der sich links und rechts ins Unendliche ausdehnt.
„Springt!“, höre ich eine vertraute Stimme. Sie scheint aus dem Nichts zu kommen und ich kann sie keiner konkreten Richtung zuordnen. Ich zögere, denn mein innerer Überlebensinstinkt hindert mich daran, ohne Auffangnetz oder sonstige Absicherung in eine Schlucht zu springen. Thory blickt mich an und scheint mir mein Zögern in den Augen ablesen zu können. Er greift nach meiner Hand und zieht mich wieder hinter sich her. Nochmals erhöht er die Geschwindigkeit und ohne ein weiteres Mal zögern zu können, springen wir bereits. Verzweifelt. Hoffnungslos. Lebensmüde.

 

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2 comments on “Schicksalbruch – Leseprobe Teil 2

  1. Mara Stahlke

    Das ist das beste Buch, dass ich jemals gelesen habe. Es ist spannend und in eine Liebesgeschichte verstrickt.

    1. Maya

      Wow! Vielen Dank, liebe Mara. Ich hoffe, der zweite Teil wird dir genauso gut gefallen. LG, deine Maya

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